Wer war Jean Paul Egide Martini ? Drucken E-Mail

Jean Paul Egide Martini wird am 31. August 1741 als Johann Paul Ägidius Martin in Freystadt geboren. Er ist das 6. Kind des Schullehrers und Organisten Andreas Martin und seiner Frau Barbara, geborene Aich..

 Sein Geburtshaus in der Kirchengasse dient als Schulhaus und Lehrerwohnung.1747 stirbt Johanns Mutter. Im selben Jahr heiratet der Vater wieder. Die wirtschaftliche Situation der großen Familie ist schlecht. Zehn Kinder aus erster und vier Kinder aus zweiter Ehe muss Andreas Martin ernähren.

Nicht zuletzt deswegen wird Johann mit 10 Jahren zum Schuljahr 1752/53 ins Jesuiten-Seminar nach Neuburg an der Donau geschickt. Dort erhält seine erste musikalische Ausbildung und bereits im Alter von elf Jahren tritt er als „organoedus“, Orgelspieler, auf. Seinen Aufenthalt in Neuburg beendet Johann Paul Martin als Lehrer für das Orgelspiel, „instructor in organo“. Anschließend zieht er nach Frei- burg/Breisgau, um Philosophie zu studieren. Nach 4 Semestern bricht er aber seine Studien ab. Er soll gesagt haben: „Ma vocation c’est la musique“ (Meine Berufung ist die Musik.).


Im Jahre 1760 zieht er nach Nancy und heiratet am 4. Mai 1764 Marguerite Camelot, die Enkelin des ersten Organisten der Kathedrale von Nancy. Er gibt sich den Namen MARTINI IL TEDESCO.
Ein Jahr später zieht das Paar nach Paris um, wo Martini den Titel eines „Officier à la suite du régiment de Hussards de Chamborant“ erhält. Er komponiert Marschmusik im Stil „goût allemand“, die sehr gut ankommt.


 

 

 

 

 

In den folgenden Jahren komponiert Martini in Paris sehr erfolgreich Opern zu den verschiedensten Anlässen. Sein Werk „Le Droit du Seigneur“ (Das Recht des Lehensherren) beispielsweise bleibt 25 Jahre auf dem Spielplan des Theaters von Fontainebleau.

1788 wird Martini „Surintendant de la musique du Roi“ und verantwortlich für die Kirchenmusik. Um diese Anstellung zu erreichen muss er 16 000 Livres bezahlen! Damit avancierte er zum Generaldirektor aller wichtigen Bühnen von Paris.

In dieser Zeit komponiert Martini sein wohl bekanntestes Werk - das Chanson “Plaisir d’amour”, zu dem Jean-Pierre Claris de Florian (1755-1794) den Text schreibt..

Als ein Jahr später die Französische Revolution ausbricht und die königliche Familie gefangen genommen wird, verliert Martini alle seine Anstellungen und Ämter. Um nicht selbst in den Wirren der Revolution unterzugehen, flieht er für kurze Zeit zu Freunden nach Lyon. Der Verlust aller Posten bringt ihn in große finanzielle Schwierigkeiten. Seine Ehe wird am 6. Juni 1793 geschieden.

In den folgenden Jahren wendet sich Martini immer wieder an das „Directoir Exécutif“ mit der Bitte um „Arbeit, Anerkennung und Gerechtigkeit“. Im Jahre 1796 erhält er die Stelle eines „Inspecteur“ im neu gegründeten „Conservatoire de Musique“. Da seine Opern in den folgenden Jahren Misserfolge sind, wird er 1802 entlassen. Martini beschließt sich wieder mehr der geistlichen Musik zu widmen und verfasst die Orgelschule „Ecole pour orgue divisee en trois partie“.

 

 Zur Vermählung Napoleons mit Erzherzogin Marie-Luise 1810 komponiert Martini seine „Messe solemnelle“. Jedoch wird das Werk nicht aufgeführt.

1814 setzt ihn König Ludwig XVIII. wieder als „Surintendant de la musique du Roi“ ein. Inzwischen 73 Jahre alt, komponiert Martini in seinen letzten Lebensjahren unter anderem ein Requiem, das am 21. Januar 1816 zum Jahrestag der Hinrichtung Ludwigs XVI. in der Kirche von St. Denis, der Grablege der französischen Könige, uraufgeführt wird.. Der König verleiht ihm dafür den Orden des Hl. Michael.

 

 

 

 

Am 14. Februar 1816 stirbt Jean Paul Egide Martini in 2, Rue de la Paix in Paris. Er erhält prunkvolles Begräbnis, den Sarg schmückt ein Lorbeerkranz des Königs. Sein Grab soll sich auf dem großen Pariser Friedhof Père-Lachaise befinden. Eine Straße zwischen dem Gare du nord und Gare de l’est (Nord- und Ostbahnhof) wird nach ihm benannt.

 


 

 

Eine detaillierte Darstellung des Lebenswerkes von Jean Paul Egide Martini, zusammengestellt von Archivpfleger Wolfgang Zeller, finden Sie hier (Stadtarchiv der Stadt Freystadt).